Erinnerung und Würdigung von Gerlach Bommersheim

Gerlach Bommersheim wurde am 30.04.1934 in Darmstadt geboren, wir nahmen mit Trauer Abschied von ihm am kreuz20.12.2006.

Nach seinem Studium der Kunstpädagogik, der Kunstgeschichte, Pädagogik, Philosophie, Psychologie und Soziologie, Studium bei den Künstlern Charles Crodel und Rolf Cavael, Lehrer, die im Dritten Reich Berufsverbot hatten und als Vorreiter einer neuen Epoche galten, war er als freischaffender Maler, Jazzmusiker und Kunsttherapeut tätig. Diese Vielfältigkeit war charakteristisch für sein Leben und seine Tätigkeiten.

Gerlach BommersheimNeben Ausstellungen in München und Los Angeles, Auftritten als Jazz Pianist und Vibraphonist, Autor eines kunsttherapeutischen Fachbuches (Rotkäppchen im Schwarz-Weiß-Film) war er Gründer der APAKT in München und der APAKT-Hamburg, einem Weiterbildungsinstitut für psychoanalytische Kunsttherapie.
Als einer der ersten in der deutschen kunsttherapeutischen Landschaft blieb er zeitlebens ein Pionier und Forscher der analytisch orientierten Kunsttherapie.

kreuz “Gerlach war einer der ersten, die eine Notwendigkeit sahen den Spuren der Phantasie in ihrer künstlerischen Freiheit, und denen der Phantasie, da wo sie nur noch unfrei ist und verstellt, nachzugehen.”
(Karl-Heinz Menzen, Mitgliederrundbrief DGKT, September 2007)

Seine philosophischen, geistigen und künstlerischen Ambitionen prägten seine eigene therapeutische Arbeit und entscheidend den Stil der APAKT-Hamburg.
Die Improvisationsfreudigkeit und Weite in seiner Musik, die Farbigkeit seiner Bilder verbanden sich mit seiner lebendigen, ständig neu auf die Situation bezogenen Arbeitsweise und einem ausgeprägt analytischen Denken. Dieser Spannungsbogen gab seiner Arbeit immer wieder neue Impulse, in der direkten Beziehungsarbeit wie auch in der Erarbeitung neuer Methoden. Sein philosophischer Hintergrund ließ ihn oft überraschend die Anschauungsebenen wechseln und eröffnetet damit bis dahin nicht gedachte Sichtweisen.

Er selbst beschreibt diesen oszillierenden Prozess über seine künstlerische Arbeitsweise so:
“Für mich ist Zeichnen und Malen ein ewig währender alchemistischer Prozess im Umgang mit den eigenen und den materialen Widerständen. Aufregendes Abenteuer, bei dem meist nicht vorhersehbar ist, was sich ereignen wird. Die Ereignisse sind Ergebnis von Kon- und Dissonanzen zwischen mir und dem Material, zwei parallel laufenden Odysseen des Kennen-Lernens. Dies ist und bleibt ein praktischer Prozess, unersetzbar durch lineares Denken. Ich bin gezwungen, Überraschungen zu inszenieren, werde Regisseur des Zufalls, Glückspilz im Finden und Intendant des Unbekannten.”

In über zwanzigjährigen gemeinsamen Aufbau der APAKT-Hamburg und in Freundschaft miteinander verbunden, bleibt eine tiefe Dankbarkeit über diese Begegnung.

Seine offene Geisteshaltung und Menschlichkeit, sein Humor werden mich und die Kollegen der APAKT-Hamburg in unserer Arbeitsweise weiterhin begleiten. Wir danken Gerlach Bommersheim von ganzem Herzen für seine Freundschaft, seine Inspiration und Arbeit, seine Bilder und seine Musik.

Im Juli 2007

Presse InfoZeichnung von G. Bommersheim
 

Künstlerische Arbeit

Interview mit Gerlach Bommersheim
(durchgeführt und ins Englische übersetzt von Lois Bloom)

Bloom: Da Ihre Mutter Klavierlehrerin war, ist es nicht wunderlich, dass Sie Musiker wurden. Wie aber kamen Sie zur Malerei?

Bommersheim: Ich habe schon als Kind viel gezeichnet. Meine Mutter berichtete,dass ich im Alter von vier Jahren einen Friedhof eine Trauergesellschaft beobachtete und fragte, ob die Männer Schornsteinfeger seien, weil sie schwarze Zylinder trugen. Sie meinte, ich hätte nach dieser Zeit bei allen meinen Figuren diese hohen Hüte gezeichnet. Meine Mutter hat diese Zeichnungen aufgehoben und ich habe sie vor zwei Jahren zufällig wieder entdeckt. Ich fand sie witzig. Jetzt probiere ich aus, ob ich etwas daraus machen kann- als Rekonstruktion der Kindheit. So kommt es zu dem Schema aus Kreuzen und Kreisen.

Bloom: Es gibt Zeichnungen und Malereien von Patienten im Irrenhaus, denen hoher künstlerischer Wert zugeschrieben wird. Eine Interpretation besagt, dass diese »verrückte Künstler« eine Form suchen, um die »eigene Befindlichkeit in Bildern auszudrücken«. Das könnte auch bei Kindern zutreffen und natürlich bei Künstlern überhaupt. Als Maler und Lehrer von Kunsttherapeuten, teilen Sie diese Ansicht?

Bommersheim: Zusätzlich zu dem, was an unbewussten Gestaltungen aufsteigt, setzt der normale erwachsene Künstler bewusste Überlegungen zu Form und Farbe ein, was man als eine entwickelte Formsprache bezeichnet. Dabei darf das Spontane nicht durch das Erlernte verschwinden oder geglättet werden. Das wäre ein Verlust an Ausdruck.

Bloom: Im heutigen Kunstbetrieb spielt der Name des Künstlers oft eine größere Rolle als die Werke selber. Wie wichtig sind für Sie Marketing und Promotion?

Bommersheim: Mich befriedigt am meisten, wenn meine Bilder gesehen werden und eine Reaktion hervorrufen. Deshalb wird der Galerist zum Partner. Die Galerie ist der Ort wo Anerkennung und Multiplikation beginnen.

Bloom: Wie würden Sie Ihre Werke beschreiben, was Stilrichtung oder Inhalt betrifft? Wollen Sie eine bestimmte Aussage machen?

Bommersheim: Ich habe keine »Message«. Jedes Werk ist ein neues Abenteuer. In meinen Bildern muss ein Geheimnis, etwas Unbekanntes verbleiben, das man nicht in Worte kleiden kann. Dies will ich mit dem Betrachter teilen. Es ist also kein privates Geheimnis.

Bloom: Bekanntlich hat das Schöpferische die Menschen immer fasziniert, es hat immer etwas mit Geheimnis zu tun. Ist dieser Aspekt auch in Ihren Jazz-Improvisationen zu finden?

Bommersheim: Das gehört in der Tat zum Wesen aller Kunstformen, aber ich überlasse es den Kritikern und Philosophen, darüber zu reden. Ich möchte jedoch erwähnen, was für Einflüsse in meinen Werken zusammenkommen. Der Autor Octavio Paz meint, dass wir heute eine Form der Poesie erleben, die er eine »Poesie der Konvergenz« nennt, eine Poesie, »in der alle Traditionen konvergieren, zusammenlaufen, die westlichen und die östlichen Traditionen, sowie alle die verschiedenen Formen der Modernität, die unsere Epoche geprägt haben.« Der Begriff »Poesie der Konvergenz« reizt mich sehr. Ich finde mich darin wieder. Sowohl in meinen Bildern als auch in meinem Leben fließt sehr vieles aus unterschiedlichen Zeiten und Kulturen zusammen: in meiner Musik aus Afrika, in meiner täglichen Morgengymnastik aus Asien und in den Bildern aus dem Kubismus, dem Expressionismus und der Kunst der Völkerwanderungszeit.

Gerlach Berlin Vernissage

07/12/14 15:09 Abgelegt in der: WERKKUNSTGALERIE


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