Zum Selbstverständnis der APAKT-Hamburg

Zunehmend erreichen uns Meldungen von an der Kunsttherapie-Weiterbildung Interessierten, die nach den Unterschieden zwischen den Aus- und Weiterbildungen in Kunsttherapie in privaten und staatlichen Ausbildungsstätten fragen. Es scheint uns angebracht, den Unterschied zwischen unserer und den anderen Ausbildungen genauer darzustellen.

An staatlichen Schulen ist eine Arbeit an der eigenen Biographie rechtlich nicht genehmigt, und daher, auch bei Delegation nicht in die kunsttherapeutische Weiterbildung integrierbar. Für unser Verständnis bildet aber diese Arbeit eine Grundvoraussetzung für den Erwerb jeglicher therapeutischer Kompetenz, die befähigt, den Klienten/Patienten emotional, einfühlsam und dennoch abgegrenzt zu begleiten.

Zu Beginn jeder tiefenpsychologischen und analytisch orientierten Therapeutenweiterbildung steht die Frage, ob die im Rahmen der Weiterbildung vermittelte Selbsterfahrung, die den Kern jedes tiefenpsychologischen Ansatzes bilden sollte, mit der psychoanalytischen Lehranalyse in Charakter und Umfang vergleichbar ist. Die Lehranalyse ist eine auch an anderen tiefenpsychologischen Instituten kontroverse und angreifbare Einrichtung, weil sich in ihr die Prinzipien der analytischen Selbstreflexion mit der Lehre vermischen. Sie ist unverzichtbar. Die Wahl des Lehrtherapeuten aus der Liste der anerkannten Lehrtherapeuten der APAKT ist frei. Der Lehrtherapeut hat keine Stimme im Prüfungsausschuß. Die Möglichkeit, daß undurchschaute Abhängigkeiten entstehen, wird minimiert durch die Einrichtungen der Leitungsteams für die Lehr-Selbsterfahrungsgruppen, durch die eine dreifache, gegenseitige Reflektion sicher gestellt ist und durch regelmäßige kollegiale Supervisionen und Supervisionen bei nicht dem Institut angehörenden Psychoanalytikern.

Einzel-Lehr-Erfahrung

Mitteilungen, die im Rahmen der Einzel-Lehr-Erfahrung gemacht werden, unterliegen selbstverständlich der therapeutischen Schweigepflicht und werden keineswegs in der Beurteilung der therapeutischen Kompetenz herangezogen. Die therapeutische Kompetenz erschließt sich in den auch in den Gruppen deutlich gewordenen Fähigkeiten zur kritischen Selbstreflexion und sachgemäßen Interventionen. Unser Ziel ist es, in die persönliche als auch professionelle Autonomie zu führen. Vergleichbar dem Verhältnis zwischen Zen-Meister und Schüler sollen Bewußtseinsprozesse angeregt werden, die keinesfalls abhängig machen dürfen. Nicht vermeidbaren Abhängigkeiten in der alltäglichen Lebenswelt begegnen wir mit einer emanzipatorischen und kooperativen Haltung.

Institutionelle Entscheidungen der APAKT geschehen im Kreise der Ausbildungsleiter und der Mitarbeiter. Abschlußverfahren werden im Rahmen der Seminare halböffentlich gemacht. Unser Weiterbildungskonzept beinhaltet die Chance einer relativ “herrschaftsfreien” Unterrichtsform, weil das Arbeitsbündnis im gegenseitigen Einvernehmen freiwillig eingegangen wird und nur ein Mindestmaß an Regeln enthält (Gruppenvertrag, analytische Regel).

Die Aussicht, nach Abschluß - es handelt sich um ein Zertifikat der APAKT - einen Arbeitsplatz als Kunsttherapeut zu finden, erfordert ein hohes Maß an Eigeninitiative.

Daß wir bei diesen Aussichten dennoch unsere Weiterbildung mit gutem Gewissen anbieten, liegt am Inhalt. Nach mittlerweile 25jähriger Erfahrung mit dieser Weiterbildung und aufgrund von Aussagen unserer Studierenden sind neben einer beruflichen Qualifikation auch noch zwei wesentliche Gewinne zu machen. Der wichtigste persönliche Gewinn dürfte in der Selbsterfahrung liegen, die in dieser speziellen Kombination von Psychoanalyse und bildnerischem Medium woanders nicht zu haben ist. Hinzu kommt die Beschäftigung mit dem gestalterischen Medium und der stetige Zuwachs eigener Fähigkeiten im Rahmen der künstlerischen Selbsterfahrung.


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