Man muß noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Nietzsche

Die Wirksamkeit des künstlerischen Prozesses oder wie werde ich KunsttherapeutIn?

bild4

Am Anfang steht eine eigene Erfahrung. Die, ein gutes Erlebnis mit der Kunst gehabt zu haben, vielleicht die Erinnerung an eine eindrucksvolle Ausstellung oder gar die Erfahrung eines Erfolgserlebnisses mit eigenem, bildnerischen Tun. Die Ahnung, daß die Kunst dem menschlichen Leben mehr bringen kann als nur das passive Anschauen für eine Mehrheit, daß potentiell jeder Mensch in sich eine Aktivität entfalten kann. Und diese künstlerische Aktivität, die als Keim in jedem angelegt ist, dient einer ganzen Reihe seelischer Funktionen: dem Schöpferischen, dem Selbstwertgefühl, einem eigenständigen, ganzheitlichen Reifungsprozeß und der Selbsterkenntnis. Das ästhetische Empfinden spielt eine große Rolle beim künstlerischen Tun, tritt jedoch anfänglich in der kunsttherapeutischen Tätigkeit noch nicht so stark in Erscheinung. Es ist eine Fähigkeit, die langsam reift. Die Lust am spielerischen und experimentellen Gestalten mit den bildnerischen Materialien setzt Kräfte frei, die den Kern unseres kreativen Potentials erfahrbar machen. Neben diesem grundsätzliche Interesse an der Kunst und bestimmten Erscheinungsformen von ihr (Kinderkunst, naive Kunst, Kunst der Geisteskranken, Art brut und gewisse Stilformen des Mittelalters, der Gegenwart und der Kunst der Naturvölker) tritt das starke Gefühl, anderen helfen zu wollen und die Vorstellung, dies in beruflicher Form verwirklichen zu können. Der Wunsch und die reale Fähigkeit decken sich erfahrungsgemäß nur selten. Der Ursprung der Motivation für einen Helferberuf liegt meist in der eigenen Familiengeschichte. Und es ist die Aufgabe der Lehrselbsterfahrung im Medium der psychoanalytisch orientierten Kunsttherapie, die unbewußte Bedürftigkeit des Lernenden verstehbar zu machen, so daß er lernen kann, sie befriedigen, sie annehmen und sie in sein Selbstverständnis einbeziehen zu können. Die Bearbeitung der individuellen Biografie ist deshalb Bestandteil der Weiterbildung zum Kunsttherapeuten. Einfühlsam kann er mit dem Medium erst dann umgehen, wenn er am eigenen Leib den Tiefgang vollzogen hat, den die Lehrselbsterfahrung in der Gruppe und in der Einzelarbeit vermittelt. In dieser Selbsterfahrung lernt er die Wirkungsweisen des Materials und der Themen kennen. Er bekommt eine realistische Einschätzung dessen, was dieses Medium, diese Kommunikationsstruktur vermag. Nach etwa dreijähriger Ausbildung, die das Minimum für diesen Wachstumsprozeß darstellt, beginnt er unter Supervision zu arbeiten. Er macht eine weitere Selbsterfahrung, diesmal in der Rolle des Therapeuten. Die umfangreiche Super- und Intervision in Gruppen und auch in den begleitenden lehrtherapeutischen Einzelstunden führt zur professionellen kunsttherapeutischen Kompetenz. Die Bereitschaft, sich in den Prozess einzulassen, ihn kritisch und unter Einbeziehung der relevanten Theorien und Methodendiskussion zu reflektieren, ist dafür Voraussetzung. Kunsttherapeutische Praktika unter Supervision bereiten auf den Beruf vor.


© 2013 - 2017 APAKT-Hamburg