Il faut reculer
pour mieux sauter. Von: A. Maslow

Zur Indikation der Kunsttherapie

In der westlichen, verstandesmäßig betonten Kultur mit ihren bedrohlichen, weil einseitigen Erfolgen von Technik und Wissenschaft sind die Bereiche, in denen es um Fühlen und Empfinden geht, gering geachtet. Die psychotherapeutische Arbeit ist im wesentlichen eine “Arbeit an und mit Gefühlen” (W. Schmidbauer). C. G. Jung entwickelte seine Typenlehre unter Beachtung der Funktion des Gefühls, die die vierte (meistens unentwickelte) Funktion darstellt. “Man kommt nicht weiter, wenn man die vierte Funktion in einer konkreten inneren oder äußeren Form auslebt, sondern man muß ihr die Gelegenheit geben, sich in der Phantasie auszudrücken, sei es im Schreiben, Malen, Tanzen oder einer anderen Form der aktiven Imagination. Jung fand heraus, daß die aktive Imagination praktisch das einzige Mittel ist, um mit der vierten Funktion umzugehen. (M. L. Franz “Zur Typologie C. G. Jungs”, Fellbach 1980)

In diesem Sinne gibt es auch keine im strengen klinischen Sinne eng umrissene Indikation der Anwendung der Kunsttherapie.

Die analytische Kunsttherapie ist, wie analytische Einzel- und Gruppenpsychotherapie, vor allem als “Neurosentherapie” indiziert. Daneben bietet sich das Medium des Bildnerischen an in einem Spektrum von der stützenden Psychotherapie mit stark gestörten Patienten über eine stützend-aufdeckende Arbeit mit weniger gestörten Patienten bis zur aufdeckenden Arbeit im Sinne der Psychoanalyse. Darüber hinaus sind all jene Patientengruppen angesprochen, denen die verbale Kommunikation Schwierigkeiten bereitet oder die sie als Widerstand einsetzen.

Gerade bei einer “narzißtischen Symptomatik”, ist über das “Kunstprodukt” ebenfalls ein guter Zugang möglich. Auch lassen sich “Arbeitstörungen” weitgehend über das Malen und Gestalten bearbeiten: Angesprochen wird der Widerstand, sich überhaupt einer Gestaltungsübung auszusetzen. Es geht immer wieder darum, sich mit seinem Tun und mit seinem Produkt zu zeigen bzw. damit gesehen zu werden, den Kreislauf von Lust/Unlust - Angst vor Kritik - eigenen verdeckten Leistungsansprüchen - Lähmung durch ein strafendes Über-Ich etc. - zu verstehen und durch das Prinzip des Spielerischen eine Änderung herbeizuführen.

Im Sinne einer “Regression im Dienste des Ich” dienen alle Übungen der Findung des authentischen Selbst überall dort, wo eine defizitäre Entwicklung dies verhindert hat. Der Therapeut fungiert als stützendes Hilfs-Ich und begleitet empathisch die Stadien der Regression und des Wachstums.


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