Methodenbeispiele

Es hängt weitgehend von der Persönlichkeit des Therapeuten ab, welche bildnerischen Methoden er in seiner Arbeit einsetzt. So wie die Kunst selbst, so ist auch die Kunsttherapie ein stark individualisierter Bereich. Und wie bei jeder guten Therapie setzt der Therapeut seine Persönlichkeit ein, um mit ihr - wie der ungarische Psychoanalytiker Balint sagt - wie eine Droge zu wirken. Er muss sich dieser Wirkweise bewusst sein. Durch die Kenntnis seiner persönlichen Möglichkeiten und Grenzen kann er Mittel und Thematik gezielt einsetzen und fruchtbar machen. Fühlt er sich mit seiner Thematik und seinen Methoden innerlich einig, so wird er in seiner Arbeit Erfolg haben. Andererseits gibt es unabhängig von der Person des Therapeuten einige verallgemeinerbare Grundmethoden, die von Material und Struktur her immer eine gewisse Garantie dafür bieten, dass ein Prozess in Gang kommt. Davor zu warnen ist, dass Laien unbedacht Methoden, quasi in Rezept form, anwenden.

Wir ordnen diese Methoden nach:

  • Gruppenarbeit
  • Partnerarbeit
  • Einzelarbeit in der Gruppe
  • Einzelarbeit zu zweit

Kleine Bildershow, Beispiel einer Gruppenmalaktion

In dieser Bildershow wird ein Beispiel einer Gruppenarbeit gezeigt.

Weitere Methoden, sind:

  • die Regression steuern,
  • sie beschleunigen oder bremsen.

Technische und materielle Mittel sind:

  • Zeichnen
  • Malen
  • Arbeiten mit Ton etc.

Unter Berücksichtigung eines motorischen Gesichtspunktes, in dem das Raumerleben angesprochen wird:

  • kleines Format
  • großes Format
  • blindes Zeichnen

Nach Thematik und nach Variationen über das Körperschema, z.B.

  • Körpersilhouette
  • Landkarte des Fußes

Bildbeispiele, Körpersilhouette

figur figur

»Blind« gezeichneten Körpersilhouette.
Das Bild offenbart uns das Gefühl des inneren Körperraumes, die Ungleichheit der Körperhälften. Die stilistische Stimmigkeit des Ganzen wird durch keine visuelle (kopfige) Kontrolle getrübt. Diese Übung ist kunsttherapeutisch und kunstpädagogisch in einem.

Thema, Körpersilhouette

Bildbeispiel, Zeichnung eines Fußes

Zeichnung eines Fusses

Einzelarbeit mit dem Thema »Die Linien auf der Sohle meines Fußes«

 

Beispiele, die aus den genannten Themenbereichen abgeleitet werden. Es wird deutlich, daß vor allem bei der Wahl der Methoden und der Thematik bewußte oder unbewußte Wünsche des Leiters auf die Gruppe übertragen werden können.

Die Thematik und die Deutung der Übertragungen in der Gruppe gehen Hand in Hand. Das Thema, das von der Gruppe im Zeichenprozeß selbst gefunden und nicht vorgegeben wurde, verdeutlicht am ehesten die unbewußten Vorgänge. Es gehört zur größten Fähigkeit des Leiters, sich in der Vorgabe zurückzuhalten und dem Gruppen- oder Einzelprozeß Autonomie zuzugestehen. Es setzt dies eine relative Angstfreiheit beim Therapeuten voraus. Dadurch wird auch die Angst des Klienten besser bearbeitbar. Bestimmte Patientengruppen erfordern jedoch statt des aufdeckenden Arbeitens ein mehr stützendes Vorgehen durch eine bestimmte Vorgabe im Material und dem Thema. Eine Übung setzt sich in der Regel aus mehreren der oben genannten Teilaspekte zusammen.

Das Gruppenbildgespräch,

kann in den verschiedensten Variationen angeboten werden. Es eignet sich auch als Medium in nicht-therapeutischem, gruppendynamischem Rahmen. Es empfiehlt sich, folgende Regeln zu setzen:

  1. jeder bestimmt sich selbst (keine besondere Reihenfolge)
  2. was jemand sprachlich ausdrücken will, wird in Form und Farbe umgesetzt (kein Sprechen während der Übung)
  3. es arbeitet immer nur einer (kein simultanes Zeichnen)
  4. ein großes Blatt Packpapier (etwa 150cm x 250cm) hängt an der Wand und wird damit vorgestellt, daß diese Fläche jetzt den Raum bietet in der sich die Gruppenmitglieder ausdrücken können.
  5. eine Auswahl farbiger Ölkreiden
  6. eine zeitliche Grenze wird festgelegt oder der Gruppe zur Selbstbestimmung offen gelassen

Anschließend wird der Bildprozeß besprochen. Der Gruppenleiter achtet besonders auf:

  1. wer beginnt und wer beendet den Prozeß?
  2. Bildmittelpunkt
  3. Teilnahme
  4. manifestes und verborgenes Thema der Guppe
  5. Stereotypie
  6. Zeichencodes
  7. in Farben ausgedrückte Gefühlslage
  8. konfrontierende und kooperative Interaktionen
  9. ubw Aspekte und Wirkungen des Symbolbildungsprozesses

Das Gruppenbildgespräch eignet sich zu jedem Zeitpunkt einer Gruppenphase. Es gibt dem Leiter Hinweise auf bestehende Konflikte, auf ein "heißes Eisen", auf Fähigkeiten und Schwierigkeiten der Gruppe. Vor allem das Thema "Abgrenzung" kann auftauchen und die Wahl der folgenden Übung bestimmen. Die Übung könnte z.B. weiterführen mit der Aufforderung, das Thema zu zweit zu entwickeln. Also:

Partnerübung mit Ton

Der Leiter läßt aufgrund der vorangegangenen Übung die Partner selbst bestimmen. Die Übung kann blind oder mit offenen Augen vorgenommen werden. Der Leiter sollte grundsätzlich jede Übung, die er vorschlägt, schon einmal in ihrer Wirkung an sich selbst ausprobiert haben und sich darüber klar sein, daß die Wirkung sich häufig durch die Gruppe verstärkt; weiterhin muß er sich klarmachen, wie stark er zur Regression anregen will.

Zum Ausklang einer Sitzung

kann z.B. als Thema “das Geschenk” (Geben/Nehmen) vorgeschlagen werden.

Die Übung ist eher meditativ, über diese und ähnliche Übungen wird erlebbar, was Yalom als “interaktives Lernen” in der Gruppe benennt.


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